Politik und Kunst vereint in einer Installation

Foto: Tobias Kirchhof.

Von Leandra Finke. – Vor dreieinhalb Jahren ist er von Meppen nach Osnabrück gezogen, um Kunst und Kunstgeschichte zu studieren. Jetzt kann sich der 23-jährige Gian Luca Cadeddu als Gewinner des diesjährigen Piepenbrock-Kunstförderpreises über 3.000 Euro Preisgeld freuen. Seine multimediale Installation zum aktuellen Thema der europäischen Abschottungspolitik fand die Anerkennung der Jury. Auch zukünftig möchte er an großen Rauminstallationen arbeiten und schmiedet fleißig Zukunftspläne.

Würdest du dich schon als Künstler bezeichnen?

Cadeddu: Noch nicht. Auf der sicheren Seite bin ich dann, wenn ich zu Ende studiert habe. Ich würde mich erst mal als Studenten bezeichnen, denn ich lerne ja noch.

Was gefällt dir daran, dich der Kunst zu widmen?

Cadeddu: Der Prozess ist schön. Ich habe die letzten paar Jahre immer geguckt, was ich machen möchte und habe mich durch Video, den Film, die Malerei im ersten Semester beeinflussen lassen. Schlussendlich bin ich bei der Installation gelandet. Daran mag ich besonders, dass ich Konzepte und Pläne schreiben kann, wie ich möchte. Wenn man aufbaut oder aufgebaut hat, sieht es noch mal ganz anders aus. Man wird immer vom Ergebnis überrascht, egal wie sehr man sich darauf vorbereitet hat.

Hast du schon einen eigenen Stil oder bist du noch in der Findungsphase?

Cadeddu: (lacht) Ich bin auf jeden Fall noch in der Findungsphase, aber vor ein paar Monaten noch ein bisschen mehr als jetzt. Ich bin durch viele Genres gegangen, um jetzt bei der Installation zu landen. Das ist schon mal ein Schritt. Und ich glaube, dass ich mich so rein stilistisch, weniger thematisch, auf das konzentrieren möchte, was ich bei der Piepenbrock-Ausstellung gemacht habe. Die Außen- und Innenbereiche, die kubischen Formen als Außenhaut und eine Mittelader als Kontrast. So was würde ich gerne weitermachen. Aber das kann in einem halben Jahr auch schon wieder anders aussehen.

Wie bist du dazu gekommen, an dem Kunstförderpreis teilzunehmen?

Cadeddu: Das fing vor einem halben Jahr an. Da habe ich das Konzept entwickelt und das erste Mal einen Zylinder aufgebaut in der „hase29“, das ist ein kleiner Kunstraum, zusammen mit Tobias Kirchhof und Line Pardo-Kelm. Da Line momentan in Chile ist und Tobias in der Masterarbeit steckt, habe ich das mit einem guten Freund von mir hochgezogen. Danach hatten wir das alles mehr oder weniger verloren und vergessen. Frau Jakubaschke, meine Dozentin, habe ich danach angesprochen und nach einer Zweitausstellung gefragt. Sie hat mir vorgeschlagen, am Piepenbrock-Preis teilzunehmen. Es war etwas schwierig, weil die Nominierungen schon durch waren. Ich hatte einen Tag Zeit, mit dem Gebäudemanagement alles zu klären und mit dem Hausmeister zu sprechen. Von dem gab es sofort ein Ja, auf die Zustimmung vom Gebäudemanagement habe ich noch drei Wochen gewartet. Normalerweise läuft es etwas anders. Eigentlich wird man vom Dozenten nominiert und dann kann man ausstellen, wenn man möchte.

Es werden dann Arbeiten, die vorher schon fertiggestellt wurden, gezeigt?

Cadeddu: Genau, es sind meistens die Ergebnisse von Vierzehn- oder Sieben-Tage-Prüfungen. Die ganze Ausstellung besteht aus Arbeiten von Prüfungen, die so noch mal gewürdigt werden.

Wie bist du auf die Idee für deine bzw. eure Installation gekommen?

Cadeddu: Wir haben uns bei einer Flasche Wein oder bei einem Kaffee getroffen und dann ein bisschen rumgekritzelt. Tobias war bei der ganzen Flüchtlingsdebatte sehr engagiert. Wir hatten vorher diskutiert, ob wir etwas Politisches machen möchten, etwas rein Ästhetisches oder etwas Konzeptionelles. Schlussendlich haben wir uns für ein politisches Thema entschieden, weil uns die Ereignisse im Jahr 2016 sehr beschäftigt haben und unseren Blickwinkel äußern wollten. Das Thema ist Außen- und Innenraum, und wir haben uns mit der Frage beschäftigt, wie der Blick von innerhalb Europas nach außen aussieht. Wir kritisieren die Handlungsunfähigkeit Europas, welche unserer Meinung nach auf unserem Luxus beruht. Die Menschen sind faul geworden, wir haben alles quasi in Griffnähe. Es wird einem alles vorbereitet und präpariert. Das macht einen nicht nur körperlich faul und fett, sondern auch denkfaul. Das sind die Probleme, die man in Mitteleuropa hat und die auf Luxus beruhen. In unserer Arbeit geht es auch darum, wie der Mitteleuropäer die Außenwelt sieht. Er sieht nicht das Ausland als Kriegsgebiet. Zwar bekommt er solche Ereignisse mit, aber er verschließt seinen Blick und setzt sich schlimmstenfalls nur mit dem Ausland auseinander, weil er dort Urlaub machen will. Deswegen haben wir im Inneren der Installation ganz normale Werbevideos gezeigt.

Was passiert mit deiner Installation nach der Ausstellung?

Cadeddu: Das Massivholz werde ich irgendwo einlagern, vielleicht eine Bank für den Balkon daraus bauen. Ansonsten werden die großen Dachlatten sortiert, repariert und vielleicht wiederverwendet. Dünne, zerbrechliche und morsche Sachen kommen dann in den Müll.

Also kann man deine Installation nicht kaufen?

Cadeddu: Nein, leider nicht. Es wäre auch sehr schwer zu transportieren. Wenn es jemand kaufen möchte, hätte ich nicht Nein gesagt. Aber eigentlich ist es fürs Recycling gedacht. Ich habe mit dem Thema jetzt auch abgeschlossen. Es ist jetzt schon zwei Mal aufgebaut worden, das reicht.

Wieviel Arbeit und Zeit hast du da hineingesteckt?

Cadeddu: Das war ein langer Prozess, wir saßen drei bis vier Wochen an der Idee. Ohne den Erstaufbau habe ich für den Piepenbrock ungefähr drei Wochen vorher angefangen. Danach haben wir drei Wochen zu zweit, teilweise auch zu dritt aufgebaut, jeden Tag circa neun Stunden. Es ist schon sehr aufwendig.

Was soll deine Installation beim Betrachter bewirken, was war dein Ziel?

Cadeddu: Ich wollte einen Nerv treffen, zum Umdenken anregen. Leider ist das mit Kunst nicht ganz einfach. Man erreicht immer nur ein bestimmtes Publikum, welches auch in solche Ausstellungen geht. Wahrscheinlich kommt die eigentliche Zielgruppe eher nicht in der Ausstellung vorbei. Ich versuche zumindest, Leute auf das Thema aufmerksam zu machen.

Hast du schon ein neues Projekt, an dem du arbeitest?

Cadeddu: Ja, ich würde gerne in dem Stil weiterarbeiten. Konzeptionell möchte ich mich etwas davon trennen und versuchen, einen ästhetischen Weg zu finden, der mir gefällt. Ich möchte mich nicht in Konzeptpapieren verlieren. Ich denke, ich werde mit diesen kubischen Formen weiterarbeiten und diese Zylinder weiterbauen. Vielleicht nicht aus Holz, sondern aus einem transparenten Milchglas. Ich würde gerne mit Licht und Ton oder mit Stahl, vielleicht auch wieder mit Holz arbeiten. Da gibt es noch sehr viele Möglichkeiten. Ein bestimmtes Thema habe ich noch nicht vor Augen.

Was hast du für persönliche Zukunftspläne?

Cadeddu: Vielleicht wechsel ich nach Braunschweig an die Kunsthochschule, um dort Kunst weiter zu studieren. Ich würde gerne im siebten Semester wieder einsteigen. Dort gibt es noch mehr Möglichkeiten als in Osnabrück. Dort ist es leichter, an Fördergelder, an Stipendien oder auch an Ausstellungsmöglichkeiten zu kommen. Es wird sich zeigen, ob der Beruf als freier Künstler für mich realistisch ist oder nicht. Es wäre jedenfalls mein Traumjob. Ich kann mir auch vorstellen, später an einer Uni oder an einer Schule zu arbeiten und etwas Pädagogisches zu machen.

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