Nico Gomez – Drei Jahre nach „The Voice“

Nico Gomez. Foto: Phil Daub.

Die Fernsehshow “The Voice of Germany” hat ihn beruflich weitergebracht: der Musiker Nico Gomez. Foto: Phil Daub.

Von Mareile Tempel.2013 kam der heute 26-jährige Nico in der ProSieben/Sat1-Show „The Voice of Germany“ bis ins Viertelfinale. Er studiert am Institut für Musik in Osnabrück Pop-Gesang.

Wieso hattest du dich dazu entschlossen, bei „The Voice Of Germany“ mitzumachen?

Nico: Das ist eine etwas längere Geschichte. Irgendwann klingelte mein Telefon und die Redaktion von „The Voice“ war dran. Sie fragten mich, ob ich nicht Lust hätte, bei der Show mitzumachen. Erst mal dachte ich, „Mhh … Castingshow?“ Von Bekannten, die bei ähnlichen Sendungen teilgenommen hatten, wusste ich, dass ziemlich viel Druck dahintersteht. Es war mir von vornherein klar, dass ich nicht so der Typ dafür bin. Ich möchte Musik für mich machen und für Leute, denen meine Musik gefällt – ohne bewertet zu werden. Somit lehnte ich erst mal ab. Nachdem mich die Redaktion dann erneut versucht hatte zu überreden, habe ich mir die ganze Sache noch mal durch den Kopf gehen lassen. Ich kam zu dem Entschluss, dass ich eigentlich gar nichts zu verlieren hatte. Die Show hat ein gutes Image, die Band ist super geil. Was kann man da falsch machen?

Ist es üblich, dass die Redaktion bei den Talenten anruft?

Nico: Meistens bewirbt man sich tatsächlich selber oder jemand anderes macht das für einen. Oft sucht aber auch die Redaktion gezielt nach Talenten im Internet, die sie dann zur Show einladen. Ich hatte das Glück, dass meine Gesangsdozentin aus Osnabrück als Gesangscoach hinter der Bühne von „The Voice of Germany“ arbeitet. Sie hatte mich irgendwann mal gefragt, ob ich Lust hätte, bei „The Voice“ mitzumachen. Vielleicht hat sie das veranlasst, ich weiß es aber nicht genau. (lacht)

Inwieweit hat dein Coach Max Herre an den Songs mit dir gearbeitet?

Nico: Max hat sich auf jeden Fall sehr bemüht um seine Schützlinge. Er war zwischendurch immer da, um mir wichtige Tipps zu geben – gerade kurz vor den Auftritten. Aber er konnte natürlich nicht bei allen Talenten gleichzeitig sein. Darüber hinaus hatten wir hinter den Kulissen viele Leute, mit denen wir gearbeitet haben. Neben Max Herre gab es einen weiteren Gesangscoach und jemanden, der sich um meine Performance gekümmert hat. Dann gab es Personen, die mir bei der Auswahl der Kleidung halfen und jemanden, der mir erklärt hat, wie die Show auf der Bühne funktioniert. Zuletzt gab es von einem Musical-Director Unterstützung bei der Songauswahl.

Konntest du die Songs und Interpretationsweisen frei wählen?

Nico: Die Interpretationsweisen auf jeden Fall. Frei wählen konnte ich die Songs eigentlich auch. In der dritten Show habe ich zum Beispiel „Superstition“ von Stevie Wonder gesungen. Das war auch ein Wunsch von mir. Bei „Blurred Lines“ von Robin Thicke, was ich in den Blind Auditions performt hatte, war es so, dass der Song zwar auch auf meiner Liste stand, aber nicht unbedingt mein erster Wunsch war. Die Redaktion hatte mir damals gesagt, dass der Song super zu mir passen würde. Man hat also Wunschlieder, die Redaktion macht aber auch Gegenvorschläge. Etwas singen zu müssen, was man gar nicht möchte, kommt demnach nicht vor. Zumindest habe ich das nicht so empfunden.

Wie waren deine Erfahrungen nach dem Schritt auf die Bühne?

Nico: Mit Beginn der Live-Shows wuchs der Druck. Leute fingen an, mich im Internet zu bewerten, das hat verunsichert. Ich habe Nächte damit verbracht, mir alle Kommentare, die irgendwo über mich gemacht worden waren, durchzulesen. Und irgendwann habe ich Tipps angenommen, die ich selbst vorher niemals umgesetzt hätte – einfach um es perfekt und allen Recht zu machen. Im Endeffekt ist das wie beim Fußball. Da sitzen die Leute auf der Couch und wollen besser wissen, wie man den Ball in das Tor schießt. (schmunzelt) In den Live-Shows war ich dann nicht mehr 100-prozentig bei mir, anders als in den drei Shows zuvor.

Woran lag es letztendlich deiner Meinung nach, dass du nicht gewonnen hast?

Nico: Ich muss ganz ehrlich sagen, der Zeitpunkt, an dem ich rausflog, war genau der richtige. Wäre ich ins Halbfinale oder Finale gekommen, wäre ich vermutlich auch nicht weiter, als ich es jetzt bin. Und mal ganz unter uns, als wir Andreas Kümmert auf der Bühne gesehen haben, war uns allen bewusst, dass er die Show gewinnen würde. Der Song „Rocket Man“ von Elton John, den er bei der Blind Audition gesungen hatte, war einer der Highlights der gesamten Staffel. Aber wir sind eigentlich alle nicht mit der Intention dort hingegangen, das Ding zu gewinnen. Wir wollten zeigen, dass es uns da draußen gibt und Erfahrungen mitnehmen, die uns keiner nehmen kann.

Dein Vater Taato Gomez ist Musiker, erfolgreicher Produzent und Arrangeur. Inwieweit hat er dich beeinflusst?

Nico: Sehr stark. Aber nicht nur mein Vater, sondern meine ganze Familie. Wir haben immer viel Musik zusammen gemacht. Ich hatte die Chance, sehr früh Instrumente zu erlernen und nah am Musikerleben dran zu sein. Meine Eltern haben früher Konzerte gespielt, wo ich des Öfteren dabei war. Das Feeling habe ich, glaube ich, einfach übernommen und mich später dazu entschieden, auch so ein Leben führen zu wollen.

Welche Instrumente beherrscht du außer deiner Stimme?

Nico: Ich war schon immer fasziniert vom Schlagzeug. Als ich ganz klein war, nahm ich mir oft Töpfe oder ähnliches aus der Küche, um mit Kochlöffeln drauf herumzuhämmern. Mit fünf Jahren bekam ich dann mein erstes Schlagzeug. Neben dem Schlagzeug spiele ich seit vielen Jahren Klavier.

Welche musikalischen Vorbilder hast du?

Nico: Puh … (überlegt) Das sind ganz schön viele. Also aufgewachsen bin ich mit Michael Jackson, Stevie Wonder, Phil Collins und Craig David. Das sind so meine Kindheits- und Jugendhelden. Mittlerweile sind Tausende dazu gekommen, da ich so viel verschiedene Musik liebe.

Momentane Musikensembles, in denen du mitwirkst, sind Männersache und Pimpy Panda. Gibt es weitere Projekte?

Nico: Genau, die A-Capella-Band Männersache ist gerade ein ganz großes Projekt, bei dem ich mitwirke. Pimpy Panda ist ebenfalls richtig. Das ist eine Kombi, in der wir Neo-Soul, R’n’ B und Funk-Musik vereinen. Darüber hinaus, was man in der Öffentlichkeit nicht so mitbekommt, spiele ich in einigen Coverbands für zum Beispiel Firmenveranstaltungen und Galas. Und klar, mein Herz hängt natürlich gerade sehr stark an meinem eigenen Projekt neben Männersache. Ich nehme gerade in Köln bei einem Produzenten im Studio auf. Hoffentlich erscheint mein Album noch dieses Jahr. Ich wünsche mir das schon seit ein paar Jahren, habe aber lange gebraucht, um zu mir selbst beziehungsweise meinem Stil zu finden – ohne das jetzt zu esoterisch klingen zu lassen. (lacht)

Singst du auf der Platte Deutsch oder Englisch?

Nico: Auf Deutsch, tatsächlich.

Wie geht es für dich darüber hinaus weiter?

Nico: Das Album ist auf jeden Fall etwas, was ich mir für dieses Jahr wünschen würde. (lächelt) Sonst kann ich nicht wirklich sagen, wie es für mich in der Zukunft weitergehen wird. Für einen Musiker umfasst die nahe Zukunft einen Zeitraum von ein paar Wochen, alles was danach kommt, ist sozusagen ungewiss. Klar hat man Wünsche, aber ich habe aufgehört, richtige Pläne zu machen, weil immer sowohl Großartiges wie auch Enttäuschendes auf einen zukommt. Männersache wird ein großer Bestandteil meines Lebens bleiben in der Zukunft, die Gruppendynamik ist momentan super cool, das macht richtig Bock. Und ich nehme einfach alles mit, was auf mich zukommt.

Welche alternative Arbeit könnest du dir vorstellen, wenn du in Zukunft nicht von deiner Musik leben kannst?

Nico: Wenn ich nicht davon leben könnte, würde ich trotzdem noch weiter Musik machen. Es ist ja auch immer eine Definitionsfrage, erfolgreich zu sein. Der Bereich Musik ist so gigantisch groß, ich habe mich in letzter Zeit mit allem beschäftigt, unter anderem mit Management, Booking, Labels und Musikverlagen. Also mit all den Sachen, die rund um den Künstler auf der Bühne passieren. Das heißt, wenn man von heute auf morgen selbst keine Musik mehr machen oder davon leben kann, warum auch immer, wird es immer Möglichkeiten geben, beruflich weiterhin im musikalischen Bereich tätig zu bleiben.

Hat dich die Teilnahme an „The Voice“ letztendlich in deinem künstlerischen Schaffen positiv beeinflusst oder hättest du die Erfahrungen auch außerhalb der TV-Show sammeln können?

Nico: Die Show hat mir mega viel gebracht. Ich wäre jetzt auf keinen Fall so weit, wenn ich nicht mitgemacht hätte. Ich bereue die Teilnahme zu keiner Sekunde. Klar gibt es tausende Wege, vielleicht wäre ich auch irgendwann dort, wo ich heute schon bin, es hätte wahrscheinlich nur länger gedauert. Durch die Größe der Maschinerie von „The Voice“ öffnen sich ganz schnell andere Dimensionen. Nach der Show durfte ich auch mit auf Tour durch Deutschland gehen. Das waren auf jeden Fall krasse Momente, die ich als Künstler erleben durfte. Jeden Tag habe ich gelernt, was es heißt, auf großen Bühnen und vor der Kamera zu stehen. Es ging von null auf hundert und danach wieder zurück. Nach „The Voice of Germany“ konnte ich da weitermachen, wo ich vor der Teilnahme aufgehört hatte, nur mit einem großen Haufen neuer Erfahrungen. Die Kontakte, die ich innerhalb der Show knüpfen konnte, haben mir letztendlich viele Auftritte im Anschluss verschafft, die ich ohne die Show nie bekommen hätte.

 

 

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