„Kreditklemme war gestern“ – Heute haben wir eine Kommunikationsklemme

Nicht nur in London: Das Bankgewerbe ist zur Baustelle geworden. Foto: Harald Keller.

Nicht nur in London: Das Bankgewerbe ist zur Baustelle geworden. Foto: Harald Keller.

Von Farina Dierker. – „Sturmwarnung – Klimawandel in der Kunde-Bank-Beziehung und Konsequenzen für die Finanzkommunikation“: Unter diesem Titel stand der Vortrag von Prof. Dr. Stephan Paul, dem Inhaber eines Lehrstuhls für Finanzierung und Kreditwirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum, am 7.Februar 2013. Das Institut für Mittelstandsfragen an der Universität Osnabrück (IfMOS) hatte zu diesem Vortrag über das Thema erfolgreicher Finanzkommunikation im Mittelstand eingeladen.

Die Brüche, die durch die Finanzkrise zwischen Unternehmen des Mittelstandes und Banken entstanden sind, sollen überwunden werden, so der wissenschaftliche Mitarbeiter des IfMOS, Hendrik Hornbostel, in seiner Begrüßung. Um die Frage des „Wie“ gehe es im Vortrag von Prof. Dr. Paul, so seine Ankündigung.

Als die Bankenkrise 2007 begann, sei eine derartige Strukturveränderung der Bankenwelt, wie wir sie derzeit beobachten, noch undenkbar gewesen, sagt Prof. Dr. Paul. Angesichts einer guten Verfügbarkeit von Krediten stelle sich die Situation scheinbar gut dar. Anhand verschiedener Statistiken und Untersuchungen stellte der Finanzexperte jedoch die gegenwärtigen Probleme dar: Die Kredithürden seien zwar niedrig, die Kreditpreise allerdings umso höher.

Umfragen zufolge werde eine offensivere, proaktive Finanzkommunikation bei Unternehmen als eher unwichtig angesehen. Ein Vergleich der Jahre 2008 und 2012 geht der Beziehung zwischen Bank und Kunde auf den Grund. Relevante Faktoren seien die Philosophie der Unternehmer, die Wertschätzung der Finanzkommunikation, die Zielorientierung und nicht zuletzt eine Begegnung auf Augenhöhe. In den Untersuchungen wurden die beiden Unternehmertypen mit „Apostel“ und „Skeptiker“, bezogen auf die Finanzkommunikation, bezeichnet. 26% Aposteln stehen 74% Skeptiker gegenüber, wobei sich die Zahl der Skeptiker nach der Finanzkrise vermehrt habe.

„Doch was machen die Apostel anders?“, fragt Prof. Dr. Paul. Es gelte den Nutzen von Finanzkommunikation herauszustellen. Das Entscheidende sei die größere Finanzierungssicherheit und ein verbessertes Vertrauensverhältnis zwischen dem Unternehmen und der Bank. Daraus könne man ableiten, dass sich Finanzkommunikation lohne. Trotzdem seien auch die „Apostel“ noch weit von einer „best practice“ entfernt, gerade wenn es um „Worst-case“-Planungen gehe. Auf Seiten der „Skeptiker“ habe sich die Nutzeneinschätzug durch die Krise weiter verschlechtert.

Die Kommunikationsklemme habe sich im Vergleich zwischen 2008 und 2012 von einer sachlichen auf die emotionale und persönliche Ebene verlagert. Das führte zu einem Rückgang des gegenseitigen Vertrauens zwischen Bank und Unternehmen. Davon ist nicht nur das Fernbild „der Banken“ betroffen, sondern auch das Nahbild des jeweiligen konkreten Ansprechpartners. In diesem Sinne sei der „Klimawandel“ als eine Abkühlung des Verhältnisses zu deuten.

Zusammenfassend betont Prof. Dr. Paul wichtige Vorgehensweisen für beide Seiten. Unternehmen sollen eine gute Aufbereitung ihrer Unterlagen vornehmen und Informationen schnell und zeitnah bereitstellen. Banken müssen für ein besseres emotionales Klima, zum Beispiel durch Feedback, sorgen. „Die Grundphilosophie sollte eine der Transparenz und Offenheit sein.“

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